Wandern auf dem Westweg 11.Etappe (West) Belchen - Kandern

Überblick

Heute heißt es langsam Abschied nehmen von den Schwarzwaldgipfeln, vom Belchen geht es steil hinunter zum Haldenhof, anschließend folgt der Weg einem Berggrat bis zum Blauen, dem letzten Elfhunderter auf der Strecke. Der Abstieg in die schon südliches Flair ausstrahlende Töpferstadt Kandern zieht sich

Bevor wir auf dem Westweg von Nord nach Süd den Grundgebirgsschwarzwald mit seinen Gipfeln verlassen, um in die Vorbergszone einzutreten, bietet der Weg vom Belchen über den Hochblauen noch einmal das Beste, was den Schwarzwald auszeichnet: einsame Wälder ohne Siedlungen, prächtige Fernsichten, angenehme Wanderwege entlang von steilen Abhängen und - nicht zu vergessen - eine erhebliche Zahl von gut möblierten Rastplätzen (mit Schutzhütte, Grillstelle etc.). Darüber hinaus zeichnet sich das staatliche Forstamt Kandern, in dessen Zuständigkeitsbereich wir laufen, durch eine besonders liebevolle Ausstattung des Waldes mit wandererfreundlichen Ruhestellen aus. 

Die Fotos können auch als Flash-Show betrachtet werden.

Westweg Etappe 11 (West) gps track
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Start/Ziel: Multen / Kandern

Wanderzeit: 7-8 Stunden

Weglänge: 28 km

Wegebeschaffenheit: überwiegend Forstwege

Nützliche Informationen und Hinweise

Kartenmaterial:

Freizeitkarte Nr. 508 Lörrach; 1:50.000; Landesvermessungsamt Baden-Württemberg.

Westweg Schwarzwald Wanderkarte (Leporello) Verlag Publicpress Geseke (ISBN 978-3-89920-395-0) 1:50 000 (umfasst die gesamte Strecke von Pforzheim bis Basel; zu beziehen auch über Schwarzwald-Tourismus GmbH, Ludwigstraß2 23 79104 Freiburg, Tel.: +49 761 29662271 Fax: +49 761 2962270)

Anreise:

Mit dem Auto: Multen ist über die L142 vom Abzweig Aitern an der B317 Donaueschingen - Lörrach bzw. von Münstertal über das Wiedener Eck über die L123 erreichbar. Der Belchengipfel ist für Kfz gesperrt.

Mit Bahn und Bus: Busverbindung Schönau - Multen (SBG Linie 7306), Schönau wird von der SBG-Buslinie 7300 - entweder von Richtung Todtnau/Titisee oder von Zell im Wiesental bedient, mit Bahnanschlüssen jeweils nach Freiburg bzw. Basel- oder Busverbindung von Münstertal (Sutter Linie 291) über Wiedener Eck mit Anschlüssen von Bad Krozingen (Basel/Freiburg).

Nützlich für die individuelle Reiseplanung ist efa.

Unterkunft:

Tourist-Information Kandern, Hauptstraße 18, 79400 Kandern, Tel.: +49 7626 972356, + 49 7626 972357,E-Mail:verkehrsamt@kandern.de, Öffnungszeiten: Apr. bis Okt. von Mo. bis Fr. 9.00 - 12.00 und 14.00 - 18.00 Uhr, Sa. 9.00 - 12.00 Uhr; Nov. bis März von Mo. bis Fr. 9.00 - 12.00, Mo., Di., Do., Fr. 14.00 - 16.00 Uhr.

Der Westweg, Gastgeberverzeichnis von Pforzheim bis Basel ( Hrsg. Schwarzwald Tourismus GmbH 2007 , Ludwigstraße 23, 79104 Freiburg, Tel.: +49 761 29662271 Fax: +49 761 2962270) E-Mail: mail@schwarzwald-tourismus.info)

 

Einkehr / Verpflegung:

 

Berggasthof Haldenhof, Haldenhof 1, 79691 Neuenweg, Tel.: +49 7673 284, Fax: +49 7673 8718, E-Mail: haldenhof@aol.com

Berghaus Hochblauen, Hochblauen 1, 79410 Badenweiler, Tel.: +49 7632 388, E-Mail: info@berghotel-hochblauen.de Öffnungszeiten: Apr. bis Okt. werktags 10.00 - 22.00 sowie sonn-und feiertags 8.00 - 22.00 Uhr.

im Winter Fr,Sa und So 11-17 Uhr

Landgasthof Maien, Vogelbach 21, 79429 Malsburg-Marzell, Tel.: +49 7626 7162, Fax.: +49 7626 971731

Unterwegs keine Verpflegungsmöglichkeit.

Sonstiges:Sofern Witterung und Schneeverhältnisse es zulassen, ist diese Wanderung auch im Winter möglich.

Busverbindung vom Blauen nach Kandern:

Wem die Strecke bis Kandern zu weit ist, der kann an Sonn-und Feiertagen den Wanderbus SWEG 4 vom Blauen nach Kandern nehmen.

Abfahrten ab Blauen: 12.42, 15.42  und 17.42 (vom 6.4. - 1.11.2012)

 

Ausführliche Tourenbeschreibung
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Ausführliche Tourenbeschreibung

Belchen zum Zweiten

 

Am Morgen wollen wir früh los. Die Gondelbahn auf den Belchen fährt erst ab 9 Uhr - so bleibt uns nichts anderes übrig, als den Anstieg zum Belchenhaus unter die Wanderschuhe zu nehmen. Wir entscheiden uns für den Bergweg über die „Donauwellen", eine rasante Skipiste im Winter. Auf gut markiertem Weg (gelbe Raute) streben wir nach oben und überqueren die Belchenstraße, die nun ohne Autos und Motorräder nur noch dem Lieferverkehr für das Gasthaus am Belchen dient - für die motorisieren Besucher ist an der Talstation der Gondelbahn Endstation. In wenigen Serpentinen ist der Aufstieg bald geschafft. Leider hat auch das Belchenhaus zu dieser Tageszeit noch geschlossen, so dass wir an einer großen Informationstafel über das Naturschutzgebiet Belchen der roten Raute folgend den Weg nach Westen einschlagen. Hoch über dem Talkessel von Neuenweg, dem Beginn des Kleinen Wiesentals, ziehen wir auf schmalem Bergpfad Richtung Hohkelch-Felsen. In der Ferne grüßt der Gipfel des Blauen, den wir gegen Mittag erreichen werden. Unser Weg passiert einige markante Felsvorsprünge, taucht dann in den Bergwald ein, wo wir auf den Belchen-Rundweg stoßen. Wir biegen nach links ab und müssen bald durch ein Tor hindurch, das eine Viehweide abgrenzt. Neugierig kommen einige Rinder auf uns zu - etwas mulmig wird es uns schon, es könnte ja auch ein Bulle dabei sein. Aber ohne Blessuren verlassen wir die Weide, wieder durch ein Tor, nach rechts in den Wald, einen Wanderweg, der scharf nach rechts ins Münstertal abbiegt, lassen wir unbeachtet. Nun geht es in auf steinigem Pfad steil bergab um den Hohkelch herum.

Der Weg verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, ist allerdings an den kritischen Stellen mit Eisengeländern gesichert.. Dafür werden wir mit phantastischen Ausblicken auf die Rheinebene und die Vogesen belohnt. Am Fuß des Hohkelch treffen wir auf einen Waldweg, der von links den Berg herunter kommt. Diesen Weg hätten wir vom Sattel aus gehen können, wenn uns der Steilabstieg zu bedenklich erschienen wäre.

 

Strohmeyer-Kapelle: Begegnung mit der NS-Vergangenheit

 

Wir schwenken nach rechts auf diesen Weg, der uns weiter abwärts zu der Wegkreuzung "An der Richtstatt" geleitet. Hier befindet sich eine solide Schutzhütte mit Bänken zum Ausruhen. Weiter geht es geradeaus abwärts, nun auf breitem Forstweg um den Stuhlskopf herum, links grüßt das Heubronner Tal und im Hintergrund der Köhlgarten (1224 m). Wir bleiben auf dem Fahrweg am Waldrand, links eine Trockenrasenwiese mit Wacholdern, die anzeigt, dass hier

nur noch sehr extensiv beweidet wird.

Wir steigen die wenigen Stufen bergan zu der Kapelle, die zum Gedenken an Willibald Strohmeyer errichtet wurde. Hier oben haben SS-Leute den Münstertäler Dekan Strohmeyer kurz vor Kriegsende am 22. April 1945 erschossen. Pikanterweise stammen die Steine dieser Kapelle von einer (unvollendet gebliebenen) nationalen Gedenkstätte in Schönau, die das NS-Regime dort zu Ehren des Freikorpskämpfers Schlageter geplant hatte. Nachdenklich setzen wir den Weg fort, berühren am Wanderparkplatz "Heubronner Eck" kurz die Landstraße L131, die von Neuenweg kommend über die Passhöhe Kreuzweg nach Badenweiler führt, halten uns aber halb rechts. Kurz durch den Wald und dann über einen Wiesenhang, vorbei an einem einzelstehenden Haus erreichen wir den Berggasthof Haldenhof, malerisch unter Bäumen über dem Heubronner Tal gelegen. Eine erste Einkehr bietet sich an, bevor wir auf der Landstraße leicht bergauf die Wanderung fortsetzen. Am Haldenhof zweigt rechts die Landstraße L 130 nach Münstertal ab, ebenso wenige Schritte weiter ein herrlicher Wanderweg zur Bergwirtschaft Kälbelescheuer, die einen Besuch verdiente.

 

Auf zum Blauen

 

Wir lassen uns nicht ablenken, sondern verlassen die Landstraße in der ersten Linkskurve. Ein Wiesenweg führt zu einer Haarnadelkurve unserer Landstraße 131, auf der wir wenige Meter laufen müssen, um dann rechts in den Wald auf einen sehr schmalen Waldpfad einzubiegen. Bei der ersten Gelegenheit biegen wir scharf nach links ab und steigen zum Waldrand auf. Nun geht es auf weichem Wiesenweg hinauf zur Passhöhe Kreuzweg. Ein Skilift rechts auf den Weiherkopf und ein Loipenzentrum links für die Nonnenmattspur zeigen uns, dass wir an einem skisportlichen Highlight der Region angekommen sind. Ein riesiger Parkplatz, jetzt im Sommer fast leer, rundet die Infrastruktur ab. Etwas verloren steht am Anfang des Parkplatzes ein Verkaufswagen, bei dem man nicht nur echten Schwarzwälder Tannenhonig kaufen kann, sondern auch Salbe gegen Hornhautbildung. Das wäre einen Versuch wert. Schnell lassen wir den Parkplatz in den Wald hinter uns, laufen auf einem schmalen Weg durch dichten Wald, treffen auf einen breiten Forstweg, dem wir nach halb links eine kurze Strecke folgen, bevor wir nach rechts den Forstweg verlassen und auf einem  fußfreundlicheren Weg das Tälchen kreuzen. Hier ist Aufmerksamkeit für die Wegemarkierung angesagt. Wir folgen dem Weg bis zum Spähnplatz, an dem wir eine breite Forststraße überqueren. Unser Wanderweg bleibt Gott sei dank dem schmalen Waldpfad treu und zieht sich. über den Höhenrücken am Raukopf entlang bis zum Rastplatz Stühle (mit Bänken und Tischen).Hier stoßen mehrere Forstwege zusammen, die wir alle nicht beachten. Weiter geht es oberhalb einer Waldstraße auf dem Wanderpfad. Rechts fällt der Hang steil in das Klemmbachtal ab. Einen von rechts hochziehenden Waldweg lassen wir unbeachtet, laufen weiter auf schmalem Weg bis zur Passhöhe Egerten, wiederum mit diesmal sehr feudaler Rasthütte einschließlich überdachter Grillstelle. Wir überqueren die Landstraße 140 und wenden uns nach links auf einen Forstweg, den wir wenig später nach rechts bergauf verlassen. Wir umrunden den Stockberg und laufen auf einem schmalen Grat entlang Richtung Blauen. Der Gipfel mit Fernsehtum ist nun schon ganz nah. Das letzte Stück verläuft der Westweg gemeinsam mit einem Zugangsweg von Badenweiler (gelbe Raute), auf den wir von rechts stoßen. Die letzten Meter auf den immerhin 1165 Meter hohen Berg verlangen noch einmal eine kurze Anstrengung, dann ist es geschafft: Ein riesiger Fernmelde- und Fernsehturm erhebt sich auf dem Gipfelplateau, da wirkt der vom Schwarzwaldverein errichtete Aussichtsturm sehr klein. Die Aussicht allerdings von dort oben lässt nichts zu wünschen übrig. Besonders beeindruckend ist der Steilabfall zur Rheinebene und in das hügelige Markgräfler Land. In der Ferne grüßt Basel, weiter vorne Kandern, unser heutiges Etappenziel. Die exponierte Lage des Berges hoch über der Rheinebene mit der entsprechenden Thermik hat dazu geführt, dass sich hier oben ein beliebter Startpunkt für Gleitschirmflieger entwickelt hat.

 

Abwärts nach Kandern - 10 km Abschied vom Schwarzwald 

 

Nach der Mittagseinkehr auf der Terrasse des Berghotels Hochblauen - allein der Blick entschädigt für manche gastronomischen Besonderheiten dieses Lokals - machen wir uns auf den Weg hinab nach Kandern. Zunächst führt uns die Markierung steil auf einen Pfad in der Falllinie abwärts Über einen breiten Forstweg hinweg geht es weiter abwärts auf dem Grat des Streitblauens entlang, bis wir nach 2.5 km auf eine Wegspinne treffen, die den Namen Hexenplatz trägt. Hier endet das Paradies der schmalen Waldpfade, wir treten ein in die Zone der Forstwirtschaft mit ihren gut ausgebauten Forstwegen. Leichten Fußes wandern wir bergab, an einer Wegspinne in einer leichten Einsattelung halten wir uns geradeaus und lassen den Höhenrücken des Großholzes rechts liegen. Bald treffen wir auf ein Sträßchen (K6313), das von Malsburg im Kandertal nach Sitzenkirch im Tal des Lippisbaches führt. Wir könnten jetzt nach links auf diesem Sträßchen in Vogelbach eine sehr gemütliche Dorfkneipe, den Maien, aufsuchen. Stattdessen überqueren wir die Straße und gehen an einem einzeln stehenden Haus links vorbei. Nach kurzer Strecke verlassen wir den breiten Weg nach rechts und steigen leicht auf einem angenehmen Waldpfad zur Burgruine Sausenburg auf. Sturm Lothar und die Forstwirtschaft haben den Burgberg seines Waldes beraubt, sodass man vom Turm der Ruine eine sehr schöne Aussicht hat.Nach dem Abstieg vom Burgberg finden wir wieder eine Forststraße, der wir abwärts, vorbei an einer weiteren Rasthütte mit Grillstelle, immer auf der Höhe bleibend, ohne nach rechts oder links zu schauen, folgen. Der Weg verliert ständig an Höhe, am Mohrensattel halten wir uns halb links. Wir verlassen den Wald und treten auf eine Obstbaumwiese. Kurz geht es nach links auf einem Wiesenpfad in ein Wäldchen auf den Heißbühl, von dem aus wir das Städtchen Kandern unter uns liegen sehen. Die letzten Meter senkt sich der Wanderweg heftig auf einer Asphaltstraße an der katholischen Kirche vorbei in den Ort. Mit dieser Etappe des Westweges liegt das Gebirge hinter uns - die restlichen Kilometer bis Basel werden wir uns durch Hügelland bewegen.