Wandern auf dem Bernauer Hochtalsteig

Aussichtsreiche Rundwanderung hoch über dem Bernauer Tal

Überblick

 

Ein neuer Wanderweg bereichert die Wandermöglichkeiten im Südschwarzwald: Der Bernauer Hochtalsteig, ein vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierter "Premiumweg".

Um ein derartiges werbeträchtiges Zertifikat zu bekommen, muss man Einiges tun, um den Erlebniswert des Wanderns zu steigern - der neue Wanderweg ist in dieser Hinsicht ein Musterstück: 8 Himmelsliegen für das körperliche, aber auch seelische Entspannen, eine Fülle neuer Aussichtsbänke, streckenweise neu angelegte, mit Holzschnitzeln gefederte Pfade, Informationstafeln an den wichtigsten Punkten -all dies ergänzt  die schon eh atemberaubende Landschaft, mit der sich bislang der Wanderer gerne begnügte.

 

Die Fotos können auch als Flash-Show betrachtet werden.

 

Der Weg folgt bis auf wenige Teilstücke  den gut markierten Wanderwegen des Schwarzwaldvereins, vom Holzmättle bis zur Krunkelbachhütte der blauen Raute, ab der Krunkelbachütte bis zum Ausgangspunkt der gelben Raute. Ergänzt wird die Markierung mit Wegweisern und als Zusatzmarkierung dem Emblem der Schwarzwald-Tourismus GmbH - dem "Schwarzwälder Bollenhut" - man wird allerdings im Bernauer Tal vergebens nach "typischen" Schwarzwälderinnen mit Bollenhüten Ausschau halten, dazu müsste man ins Gutachtal bei Hornberg reisen.

Die Schönheit des Bernauer Hochtals erschließt sich zu allen Jahreszeiten; ich bin den Weg Anfang November gewandert, da lag schon Schnee auf über 1200m. Besonders empfehlenswert ist eine Wanderung im Herbst, wenn die Buchen in flammendem Rot stehen.

Start/Ziel: Wanderparkplatz Ankenbühl im Ortsteil Kaiserhaus

Weglänge: 15.6 km

Wegebeschaffenheit: Pfade und Wirtschaftswege, teilweise felsig

Höhenunterschiede: höchster Punkt  Großes Spießhorn 1349 m, tiefster Punkt Holzmättle 872 m

Der gps-Track kann direkt aus der Karte heruntergeladen werden.

Ausführliche Tourenbeschreibung
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Nützliche Hinweise und Informationen

 

Touristische Hinweise

 

Ausführliche Informationen zum Bernauer Hochtalsteig finden sich hier.  Die Bernauer Webcam  zeigt die aktuelle Wettersituation, sehr nützlich bei der Planung einer Wanderung.

 

Kartenmaterial: Wanderkarte St.Blasier Land, 1 : 35 000, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg , ISBN 9783890217079

 

Anreise:

mit dem PKW:

Bernau ist von St.Blasien und von Todtnau über die L 149 erreichbar, von Todtmoos  über die L 146. Parkmöglichkeit beim Wanderparkplatz Ankenbühl im Ortsteil Kaiserhaus (Start und Ziel der Rundwanderung).

mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

SBG Bus Linie   7321 St.Blasien - Bernau - Todtmoos, Haltestelle Weierle. Zur individuellen Planung siehe www.efa-bw.de

 

Unterkunft

 

In Bernau sind zahlreiche Unterkünfte vorhanden, siehe www.bernau-schwarzwald.de

 

Einkehr

 

Zur Halbzeit der Wanderung empfiehlt sich die Krunkelbachhütte

Krunkelbachweg 10,79872 Bernau - Dorf, Tel.: +49 7675 338, kein RT. Auf der Krunkelbachhütte kann auch übernachtet werden. Im Sommer heftiger Besucherverkehr - man kann von Bernau Dorf mit dem PKW zur Hütte fahren; dann herrscht hier Selbstbedienung.

Am Zielpunkt gibt es im nahen Ortsteil Weierle eine etwas esoterisch angehauchte Vesperstube - das Radisli-Vesper-Plus  Wäldemleweg 1, 79872 Bernau-Weierle, Tel.: +49 160 97614809 , kei  RT ; mit Internet und Workshop-Angeboten. Eine Einkehr lohnt sich.

Eine Unterbrechung der Wanderung ist auch möglich im Landhotel

Bergblick an : Hasenbuckweg 1, 79872 Bernau-Dorf, Tel.:+49 7675 424, kein RT. Dazu muss beim Abstieg vom Scheibenfelsen nach Bernau-Dorf hinabgehen, dort nach rechts wenige Meter entlang der Landstraße. Zurück zum Wanderweg folgt man der blauen Raute Richtung Panoramaweg, wo man beim Wasserbehälter wieder auf den Hochtalsteig trifft.

 

Sonstiges

 

Der Weg eignet sich nicht für Kinderwagen. Im Winter ist die Teilstrecke vom Holzmättle bis zum Hohfelsen sowie von der Krunkelbachhütte bis Bernau Dorf nicht begehbar, dafür aber der Panoramaweg zwischen Bernau Dorf und Kaiserhaus.

 

Ausführliche Tourenbeschreibung


Aus dem Tal auf den Hohfelsen


Wir starten beim Wanderparkplatz Ankenbühl im Ortsteil Kaiserhaus, nachdem wir uns auf einer großen Infotafel über alle Höhepunkte des Wanderwegs schlau gemacht haben. Zunächst geht es über Weiden am Waldrand zum Wegpunkt Holzmättle. Hier verlassen wir

den Wanderweg Richtung Menzenschwand und biegen nach links auf einen Pfad ab, der schon auf den ersten Metern zeigt, dass es nun ruppig bergauf geht. Immerhin müssen wir von 872 m auf 1075 m aufsteigen. Ab hier ist der Weg mit der blauen Raute markiert. An Felsen entlang windet sich der Pfad , der auf diesem Teilstück dem Namen des Wanderwegs – Hochtalsteig –alle Ehre macht. Wir kommen ordentlich ins Schwitzen, an manchen Passagen ist Vorsicht geboten, felsig, eng und steil.

Nachdem der erste Anstieg überwunden ist, finden wir Erholung auf zwei seltsamen Sitzgelegenheiten am Wege rechts –wir denken zuerst, es handele sich um die in der Werbung angepriesenen Himmelsliegen, tatsächlich sind es aber Ruheplätze der einfacheren

Art, zum Ausruhen sind sie trotzdem geeignet. Beim Hohfelsen werden wir zum ersten Mal auf eine richtige Himmelsliege treffen, nicht zu vergleichen mit den „primitiven“ Schwestern dort

ist Luxus pur geschafffen worden. Bevor wir zum versprochenen Genießen auf dem „Genießerpfad“ –wie der Wanderweg in der Werbung auch bezeichnet wird –kommen, geht es noch eine Weile an der Hangschulter zwischen Menzenschwander Tal rechts und Bernauer Tal links entlang.

Beim Hohfelsen fallen uns zuerst zwei Dinge auf: Ein Sendemast und ein mit Holzschnitzeln bedeckter Pfad, der nach links vom Waldweg abbiegt. Ersterer steht für moderne Polizeikommunikation, wie sie überall im Schwarzwald auf den Höhen installiert wird, Zweiterer steht für einen neuen Typ von Wanderpfaden, auf dem sich weich und angenehm laufen lässt –ganz im Gegenteil zu den leider im Schwarzwald zu häufig vorkommenden LKWgeeigneten Waldstraßen; oh gäbe es doch mehr solch fußfreundliche Wanderpfade!

Wir sind beim Hohfelsen angelangt. Nachdem wir die erste richtige Himmelsliege ausprobiert haben, wenden wir uns der wirklichen Sehenswürdigkeit zu: einer phantastischen Aussicht auf das

Bernauer Tal und die im Süden gelegenen Berge des Schweizer Juras und der Alpen. Unter uns fallen die Felsen senkrecht in die Tiefe. Wir können uns nicht genug satt sehen.


Über Weidfelder zum Riggenbacher Eck


Auf dem folgenden Wegabschnitt treffen wir zum ersten Mal auf die Weidberge, die in ihrer Weite so typisch sind für die Viehhaltung im Bernauer Hochtal, auch verantwortlich dafür, dass wir Wanderer nicht nur durch dunkle Wälder laufen müssen. Ohne Weidevieh keine

Aussicht könnte man sagen. Dank an die Bauern, die die Weiden mit ihrem Vieh offen halten. Wir folgen vom Hohfelsen dem Waldweg nach NW und treffen am Waldrand links auf einen beeindruckenden Weidberg, an dessen Rand wir rechts auf schmalem Pfad aufsteigen. Im Sommer finden sich hier auf den Allmendweiden große Herden von Hinterwälder Rindern, eine für die Region typische Rinderrasse, klein und geländegängig, die auch noch an steilen Hängen trittsicher bleibt. –Spötter meinen, dass die Beine dieser Rasse an die Steilheit der Hänge angepasst sind –rechts etwas kürzer als links. Wie dem auch sei, das Fleisch dieser Rinder ist vorzüglich, wovon man sich in den örtlichen Gasthäusern überzeugen kann, man verlange nur Speisen vom „Bernauer Weiderind“.

Links taucht der Kaiserberg von hinten auf, wir werden ihn beim Rückweg von vorne sehen. Auch dort wieder Felsformationen –die Kaiserfelsen. Schließlich queren wir die Weiden und stoßen beim Riggenbacher Eck (1135 m) auf einen feingeschotterten „Wanderweg“, dem wir nach rechts aufwärts folgen. Am Waldrand unterhalb des Rabenstocks sehen wir schon das Zwischenziel, die Neumanshütte (1150 m) –mit der zweiten Himmelsliege. In der Hütte kann man auch bei Regen unterkommen, die Grillstelle lädt zur ersten größeren Pause ein. Wir haben nun immerhin die 1100m-Höhe überschritten.

 

Über die Spießhörner zur Krunkelbachhütte

 

Der Weg setzt sich im Wald nach rechts fort. Auf einem breiten Forstweg umrunden wir den Rabenstock und treffen auf den gleichnamigen Wegpunkt, bei dem es rechts aufwärts durch

lichten Wald geht. Wir haben die Granitflächen verlassen und die alten Grauwacken aus dem Erdaltertum erreicht. Steil wandern wir bergan, passieren das Kleine Spießhorn (1330 m), das nur durch einen Aussichtsfelsen links auffällt, und kommen schließlich auf eine Viehweide. Rechts am Waldrand treffen wir auf eine überdimensionierte Aussichtsplattform mit (geplantem ?)Dach und einem Viscope –einem Fernrohr, durch das man nicht nur die Berge

im Süden betrachten kann, sondern auch noch die Namen der Berge mitgeliefert bekommt – welch ein praktischer Luxus! Wie oft habe ich schon die Alpenkette bewundert und versucht, Eiger, Mönch und Jungfrau zu identifizieren, geschweige denn Mont Blanc oder Säntis. Das Viscope unterhalb des Milchbergs macht es möglich. Eine Himmelsliege ist natürlich aucvorhanden. Wir queren den Milchberg an seiner östlichen Flanke und wandern am Rand des Steilhangs

zum Menzenschwander Tal zum Großen Spießhorn, immerhin 1349 m hoch. Ein Aussichtspavillon hoch über dem Tal lässt das Betrachten des Panoramas komfortabel werden.

Der Abstieg zur Krunkelbachhütte erfolgt über einen steilen und steinigen Wurzelpfad, auf dem man sehr aufpassen muss, um nicht zu stolpern oder zu stürzen. Der Weg hat schließlich ein Ende, wir treten aus dem Wald und erblicken links die Krunkelbachhütte, ehemals eine Viehhütte für das Jungvieh am Milchberg, 1946 abgebrannt und 1954 als Berggasthaus wieder errichtet. Am Waldrand müssen wir den schmalen Pfad links nehmen und kommen am Hang entlang zur Hütte. Hier herrscht sommers wie winters Hochbetrieb, wenn nicht im November geschlossen ist. Eine Fahrstraße von Bernau-Dorf führt auch PKW-Wanderer auf die Höhe.


Steil durch Buchenwald zum Scheibenfelsen


Von der Hütte folgen wir kurz dem zum Milchberg ansteigenden Wirtschaftsweg, biegen dann aber nach rechts über die Weide zum Startplatz der Drachenflieger ab. Wieder eine Himmelsliege, dazu ein himmlischer Ausblick auf das Bernauer Tal und die sonstigen bekannten Panoramaberge.

Der Weg kehrt im Hang zurück und wendet sich nach rechts, um im Wald zu verschwinden. Nun heißt es abwärts, von 1260 m auf 1052 m. Der Weg quert reißende Bäche, windet sich in Serpentinen als schmaler Pfad durch einen domartigen Buchenwald, überquert die Fahrstraße zur Krunkelbachhütte und erreicht einen ausgedehnten Weidberg, in dessen Flanke wir zuScheibenfelsen gelangen.

Mehrfach, so auch hier, treffen wir auf Gattertore zu den Weideflächen. Hier frage ich mich schon, wie Menschen und Vieh im Sommer, wenn die Tiere auf den Weiden sind, friedlich

miteinander auskommen.

Beim Scheibenfelsen müssen wir wieder durch ein Viehgatter, diesmal werden aber nicht Rinder umhagt, sondern eine Ziegenherde. Ein durchaus zwiespältiges Gefühl überkommt den

Wanderer, wenn er intensiv von den Ziegen begrüßt wird.

Am Scheibenfelsen treffen wir auf den „Scheibenbock“, der für einen alten alemannischen Brauch steht: das Scheibenfeuer am ersten Fastensamstag oder Fastensonntag in der Osterzeit. Dann lodern auf vielen Berghöhen im Schwarzwald und an seinen Rändern die

Feuer und feurige Scheiben werden von den kräftigen Jungmannen und neuerdings auch von Maidli ins Tal geschleudert. Die „Abschussrampe“, von der die glühenden Buchenscheiben

gestartet werden - an langen Stecken befestigt und über ein Brett ins Tal katapultiert - , liegt vor uns am Abbruch ins Tal.

Jung und Alt wetteifern beim Scheibenschlagen darum, wer den schönsten Feuerbogen schlagen kann, verbunden mit Fragen wie „Schiebi, schiebi, schiebo, wem soll die Schiiebe go ?“ und Antworten wie „Die Schiiebe soll dem Vreneli go“ oder „Die Schiiebe soll dem ... an’d Schnuure go“. Wir ahnen , dass hier vorchristliche Bräuche gepflegt werden.


Über den Panoramaweg zum Ankenbühl


War der Wanderweg schon bisher aussichtsreich, folgt nun ein Wegabschnitt, auf dem die ganze Schönheit des Bernauer Tals wirken kann. Wir laufen auf dem schon lange berühmten

Panoramaweg von Bernbau-Dorf bis Bernau-Kaiserhaus, auch im Winter begehbar. Um dort hinzukommen, verlassen wir den steilen, z.T. mit Drahtseil gesicherten Abstieg vom Scheibenfelsen an einer scharfen Rechtskehre geradeaus–eine neu errichtete Aussichtsbank

lockt , der Pfad dorthin ist weich mit frischen Holzschnitzeln gefedert.

Auf den vielen Ruhebänken unterwegs könnte man immer verweilen und die Aussicht genießen, allerdings würde dann die Wanderung sich zeitlich ziemlich in die Länge ziehen. Also jedes Mal entscheiden. An der lockenden Bank entscheiden wir uns für übersehen,

warten doch auf dem nun bald folgenden klassischen Panoramaweg eine Menge schönster Aussichtsbänke.

Am Hochbehälter vorbei treffen wir im Tal auf einen Schotterweg, dem wir nach links aufwärts folgen, der Panoramaweg ist erreicht. Mäßig ansteigend wandern wir hoch durch die Weidberge an der Nordostflanke des Bernauer Tals, unter uns die verschiedenen Ortsteile Bernaus: von Hof über Dorf, Innerlehen, Oberlehen, Unterlehen, Riggenbach, Altenrond, Kaiserhaus und Weierle.

Bei einer weiteren Himmelsliege machen wir halt und bewundern nicht nur das Panorama, sondern auch eine Rinderherde mit über 70 Stück Vieh, die auf der Weide das verbliebene Gras abweidet, bevor in wenigen Wochen alles im Schnee versinkt.

Unterhalb des Kaiserbergs geht es weiter, auf- und absteigende Wege ignorieren wir, das Ziel am Ende des Bernauer Tals ist in Sicht. Wenn man den Blick nach links wendet, werden die hohen, fast senkrechten Felsen des Hohfelsen sichtbar, auf dem wir zu Beginn der Wanderung gestanden hatten , gut zu sehen, seitdem das Felsmassiv von Bäumen befreit wurde. Wenn der Panoramaweg scharf nach rechts Richtung Kaiserhaus abbiegt, wenden wir uns

links bergauf und folgen auf wenige Meter dem Wanderweg Richtung Menzenschwand, um dann nach rechts auf einen Wiesenweg abzubiegen, der sich bald zu einem Pfad verengt. Zahlreiche Baumstümpfe künden davon, dass hier kräftig Holz entnommen worden ist, die Aussicht ins Tal hat gewonnen.

Die letzten Meter bis zum Ausgangspunkt Ankenbühl werden noch einmal durch einen Holzschnitzel-Pfad versüßt, der sich direkt hinter einem Schullandheim nach rechts zur Zufahrtsstraße hinabwindet. Wir müssen jedoch nicht auf die Straße, sondern können oberhalb der Straße auf einem neu angelegten Weg das Ziel erreichen.

Geschafft –etwas müde, aber voll schöner Bilder von diesem wahrlich genussreichen Wanderweg. Dank an die Initiatoren und die Wegewarte des Schwarzwaldvereins.